ALPEN - DOLOMITEN 2004
Die Rufe erreichen uns....

"Hörst es Karin ?? Der Berg ruaft uns !!"
"Der Berg, der kennt koa Gnade nit, Dino, wann er uns ruaft, nochher müssma auffi aufn Berg !!"

Und so ergaben wir uns unserem Schicksal.....los ging die Reise am 21.Juli und zu Ende am 25. Juli 2004. Dazwischen lagen 1775 km durch Deutschland, Österreich, Italien und die Schweiz. Wenn wir nur die Pässe, die höher als 1500 m liegen zusammen rechnen, dann kommen wir auf runde 50000 Höhenmeter. Wenn wir nach dem Spaß gehen, den wir hatten, dann kommen wir auf dutzende Stunden Lebensfreude und Atemlosigkeit im Angesicht der überwältigenden Natur.....

Aber jetzt mal die ganze Geschichte chronologisch:








Die Routenplanung fest im Griff, das Wetter ideal

Die Anreise

16 Uhr. Ludwigsburg. Lebensmittelpunkt. Arbeitsplatz. Pflichten. Motorrad überprüfen. Koffer befestigen. Aufsitzen. Motor starten. Durchatmen.....Abfahrt Richtung südliches Allgäu.....Beuren bei Isny war unser erstes Ziel. Im Gasthof "Zum Kreuz", in dem wir bereits (wie unter Vorarlberg - Tirol 2002 berichtet) einmal bestens gegessen + geschlafen haben, hatten wir ein Zimmer reserviert.

Die Fahrt war bis Mühlhausen am Aichelberg eher rustikal, d.h. Autobahn, um den Industriezonen rund um Stuttgart zu entkommen, danach über den Drackensteiner Hang die ersten nennenswerten Kurven und immer südwärts bis nach 250 km unser erstes Ziel erreicht war.




Natürlich war Willi dabei - unser Maskottchen :-)

Das Zimmer: wie schon beim ersten Mal absolut klasse. Wenn Ihr im Raum Isny - Oberstdorf - Bregenz nächtigen wollt, können wir "Zum Kreuz" nach wie vor empfehlen. Es ist preiswert, absolut ruhig gelegen, die Gastleute sind ausgesprochen freundlich. Alternativ dazu natürlich auch 50 km weiter in Lingenau der "Wälderhof", den wir auf dieser Reise neu entdeckt haben (siehe dazu auch den Bericht vom Samstag). Beides hervorragende Quartiere.





Zufällig gefunden auf dem Weg durchs Lechtal - Irgendwo zwischen Lech und Reutte

Donnerstag - Etappenziel Großglockner

9 Uhr morgens. Lecker gefrühstückt. Die Luft riecht nach frisch gemähtem Gras (logisch, die Bauern waren schon seit mindestens 3 Stunden beim Arbeiten), pralle Sonne, trockene Straßen.....los ging es in Richtung Vorarlberg. Von Beuren runter Richtung Oberstaufen, dann nach Aach und Hittisau auf die Bregenzer Wald-Straße. Und dann ab nach Warth, rauf auf den ersten ernstzunehmenden Pass, den Hochtannberg (1676 m) und runter Richtung Lech und Zürs. Hinein ins Lechtal bis Elmen und rauf auf das Hahntennjoch (1894 m) und runter nach Imst. Dazwischen natürlich Kaffeepausen und das Genießen der Umgebung.

Weiter ging es ins Ötztal, dort dann gleich links ab über den Kühtai-Sattel (2017 m) und weiter Richtung Innsbruck - Schwaz - Jenbach - Fügen - Zell am Ziller - Mittersill - Kaprun und Fusch am Großglockner zur Großglockner Hochalpenstraße (Achtung: 17 Euro einstecken - es ist kein billiges Vergnügen, die Straße zu befahren....aber allemal das Geld wert).






Der Großglockner - Österreichs höchster Berg


In Fusch dann noch rasch ein leckeres steirisches Bier getrunken, dann geht es hoch auf den Großglockner 
Zum Abschluß der Großglocknerfahrt noch rüber zur Franz-Josefs-Höhe (2362 m) 
Die Kirche von Heiligenblut und die unglaublich schönen Serpentinen hoch die Großglockner Hochalpenstraße 


Zum Abschluß des Tages ging es noch bis Heiligenblut und dort in den Gasthof "Sonnblick", etwas abseits der Hauptstraße gelegen, mit wunderbarem Zimmer und auch recht ordentlicher Verpflegung. Auch das durchaus als Tipp für Euch zu verstehen, da kann man auf jeden Fall einen gemütlichen Abend verbringen.






Erkundigt Euch aber vorsichtshalber, ob Jemand aus nächster Nähe am nächsten Tag zufällig Geburtstag hat. Wir haben selig geschlummert, so gegen 5 Uhr morgens, als ein unglaublich lautes explosionsartiges Geräusch uns aus den Pfühlen riss !!! Wären wir potenzielle Herzpatienten, hätte das bedenklich werden können !!! Wir warteten darauf, dass jetzt gleich Folgetonhorn usw. zu hören wären, aber nein, nach 10 Minuten dann nochmals ein Donnerschlag.....Beim Frühstück haben wir später erfahren, dass ein Nachbar seinen 40. Geburtstag hatte und von seinen Freunden mit 2 Böllerschüssen um 5 Uhr morgens "begrüßt" wurde. Na super....

Was wir noch erwähnen wollen sind die vielen tollen Kirchen, die links und rechts der Straßen unsere Blicke auf sich zogen, hier sind drei typische Beispiele von Vorarlberger, Tiroler, Kärntner Kirchen:






Freitag - Etappenziel Sarntaler Alpen

Los ging es nach dem Frühstück in Richtung Lienz - Oberdrauburg - rauf auf den Plöckenpass (2194 m) - runter nach Rivo und dort dann entlang einer verwinkelten und verschlafenen Straße bis Cameglians - hoch nach Sigilletto - Sapada bis S.Stefano di Cadore - S.Catarina - Stabingrande rauf auf den Misurina (1756 m) und runter Richtung Cortina d'Ampezzo.




Karin harrt der vielen Serpentinen des Tages

Dort dann das einzig unangenehme Erlebnis: wir wollten (bloß) Kaffee und Cola trinken und haben uns als Einzige (!!) im Garten einer Cafeteria niedergelassen. Der Kellner brachte uns das Gewünschte, dann aber schoss die Besitzerin auf uns zu und bedeutete uns, dass wir als Nicht-Esser gefälligst zu den Tischen ohne Tischtuch gehen sollten und hat gekeift und gekeift und gekeift. Naja, 2,3 schnelle Schlucke und schon waren wir wieder unterwegs.

Achja der Name der Cafeteria: Ristorante - Bar Rio Gere. BITTE MEIDEN !!!






Für uns ging es weiter: Cortina d'Ampezzo, hoch zum Falzarego (2105 m) - Livinallongo - Pordoi (2239 m) - Sellajoch (2244 m) - Pozza di Fassa (1997 m) - Karerpass (1745 m) - Nigerpass (1645 m) - Tires - Steinegg und rein nach Bozen.....eine tolle Stadt, noch voll mit wunderschönen Gebäuden aus der altösterreichischen Zeit, aber bereits durchsetzt mit italienischer Lebensfreude. Trotz Feierabendverkehr haben wir die Fahrt durch diese Stadt genossen.

Ab Bozen ging es dann nördlich in die Sarntaler Alpen in Richtung Sterzing. Es war 19 Uhr geworden, wir waren müde, hungrig und durstig (und entsprechend schwindlig nach einer Million Serpentinen und Spitzkehren). Mitten im Sarntal, in Sarentino, wurde uns beim Tanken der "Rabensteinerhof" empfohlen. Liegt idyllisch, ist spezialisiert auf Forellen aller Zubereitungsarten, hat für das Motorrad eine wunderbare Garage....wir haben selig (und ohne morgendliche Böllerschüsse :-) geschlafen.




Die Landschaft rund um Bozen - auf dem Weg in das Sarntal 
Irgendwo in Südtirol an einem heißen Sommertag 


Samstag - una girata in Italia piovosa

Für Samstag war Regen vorhergesagt. Wir hatten damit gerechnet und unsere Regenklamotten bereit gehalten. Aber oh Wunder: Im Sarntal war ordentliches und trockenes Wetter. Nach einem guten Frühstück ging es weiter in Richtung Sterzing, also rauf auf das Penser Joch (2214 m, einer der beeindruckendsten Pässe der gesamten Fahrt), rein ins Jaufental und über den Jaufenpass (2099 m) nach St. Leonhard. Dort dann einen gemütlichen Kaffee trinken, weil sich die Wolken verdichteten, immer dunkler wurden und bereis die ersten Tropfen aufs Visier des Helmes klatschten.

Motorradfahrer, die aus der Richtung Stilfser Joch kamen, hatten nur schlechte Nachrichten für uns, das Wetter hatte auf Dauerregen umgeschaltet. Egal, rein in die Regenklamotten und auf zu unser Runde im regnerischen Italien (hoffentlich sagt das auch die Überschrift so :-))

Also ging es von St. Leonhard nach Meran, dann über Naturno und Schlanders ungefähr 60 km bis Sponding. Dort teilt sich die Straße, eine Seite geht weiter Richtung Reschenpass, die Seite, die uns interessierte in Richtung Stilfser Joch (2775 m). Schnell war die letzte Ortschaft passiert (Trafoi - übrigens die Heimat von Gustav Thöni, den begnadeten Schifahrer der 70er-Jahre) und dann ging es 48 (!!) Spitzkehren hoch zum Gipfel des Stilfser Joch. Auf dem nassen Pflaster, mit Gepäck und Sozia auf dem Motorrad und entgegenkommenden Fahrzeugen eine echte Herausforderung für Dino. Aber trotz Regens, es war ein absoluter Genuss. Dort, wo normalerweise Karnevalsbetrieb mit 1000 Motorrädern und ungezählten Souvenierläden vorherrscht, war diesmal gähnende Leere. Maximal 10 Motorräder standen am Gipfel herum, dazu noch ein paar Autos, die Fahrer verköstigten sich in der Cafebar an leckerem Capuccino und heißer Suppe.





Das Stilfser Joch im Regen - grau und einsam

Runter ging es vom Stilfser Joch zum Umbrail Pass (2601 m) rein in die Schweiz (Achtung, die halbe Strecke nach Sta. Maria ist eine geschotterte Straße, sehr attraktiv, wenn 1000 Pfützen im Weg sind :-) dann wieder rüber nach Südtirol nach Schluderns und rauf auf den Reschenpass (1504 m), rein nach Österreich und weiter Richtung Stuben, Nauders und Landeck. Dort links ab Richtung Arlberg (1793 m) - St. Anton - Zürs - Lech zurück nach Vorarlberg - Warth und zum Ausgangspunkt der kurvigen Reise, der Bregenzer Wald-Straße Richtung Hittisau.

Mittlerweile waren das Motorrad und unsere Regenklamotten (nur außen) völlig durchnässt, sämtliche Gasthöfe winkten ab, nachdem sie wohl befürchteten, dass wir ihre Zimmer mit unseren nassen Klamotten völlig versauen würden, aber kurz vor der Resignation wurden wir vom Regengott für unser Durchhalten belohnt:

In Lingenau wartete eine unheimlich nette Gastgeberin, Frau Wild, im Hotel "Wälderhof" auf uns. Wir bekamen ein nettes Zimmer, durften unsere Klamotten in den Trockenraum hängen, im Restaurant gab es ein leckeres Cordon Bleu, dazu ein herrlicher Roter. Am Nebentisch trafen wir zwei holländische Motorradfahrer (Hallo Ihr zwei, hoffentlich seid Ihr gut in Eurer Heimat angekommen !!), mit denen wir einen amüsanten, angenehmen und witzigen Abend verbrachten.




Trotz Regens, die gute Laune konnte uns keiner nehmen, es war ein bemerkenswerter Tag. 


Sonntag - zurück nach Ludwigsburg

Sonntag war das Unwetter gottseidank vorbei. Unsere Klamotten waren wieder weitgehend trocken, unsere holländischen Bekannten nach dem Frühstück verabschiedet (sie waren unterwegs in ihre Heimat, genau gesagt nach Breda).

Ab ging es nach Oberstaufen - Isny - Leutkirch - Bad Wurzach - Bad Schussenried - Zwiefalten, dort nochmal in der prallen Sonne einen Kaffee genossen, dann weiter Richtung Gomadingen - Marbach - Urach - Stuttgart - Ludwigsburg.

Geschafft waren die 1775 km, die fast 50000 Höhenmeter, ungezählte Serpentinen und Kehren, das Gehirn überflutet von Reizen, ein wunderbares Wochenende.

Hier noch ein paar fotografische Eindrücke auf dem Weg über die vielen Berge, wahllos ohne besondere Reihenfolge, einfach nur zum Genießen:







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