SOMMERREISE 2005

Endlich mal eine große Runde durch Deutschland, Österreich, Südtirol drehen. Nicht nur bloß für 2-3 Tage über die sieben Berge, sondern eine Reise am liebsten über siebenhundert Berge, das war unser Ziel für den Sommer 2005.

Am 23. Juli ging es los, am 7. August waren wir wieder zuhause, dazwischen 3300 km fern aller Autobahnen und Bundesstraßen, immer entlang der Bezirks- und Kreisstraßen. Die Schwäbische Alb, Vorarlberg, Tirol, Südtirol, Kärnten, Steiermark, Burgenland, Niederösterreich mit Wald- und Mühlviertel, Oberösterreich, Salzburg, Bayrischer Wald, Frankenland und wieder zurück nach Stuttgart, das waren die Meilensteine der Reise.




Startklar !!

Die Wetterprognose

Das Wetter im Sommer 2005: zum Vergessen. Laut Wetterinfos im Internet mussten wir uns auf oftmaligen Regen einstellen, wir hatten entsprechende Klamotten eingepackt. Aber wie meistens in der Wetterkunde: es kommt ja doch anders :-) So hatten wir an den 9 Tagen unserer Fahrt fast ausschließlich leichte bis mittlere Bewölkung bei 20 bis 25 Grad, am Neufelder See bei Wien, wo wir 7 Tage verbrachten dafür makellose 35 Grad und blauen Himmel. Nur zwei mal erwischte uns der Regen: einmal bei Hallstatt an einem stark bewölkten Tag für etwa 10 Minuten, und dann noch ausgerechnet am letzten Tag der Reise auf den letzten 100 bis 120 km vor Stuttgart.

Tja, Glück gehabt (wenn Engeln reisen)
:-))



Vorarlberg, Tirol, Südtirol

Natürlich war es auch ein wichtiger Bestandteil unserer Rundfahrt, möglichst viele Pässe der Alpen und Dolomiten zu überqueren. Auf Details wollen wir hier aber nicht mehr eingehen, da findet Ihr genug Informationen bei unseren Motorradausflügen 2003 und 2004. Aber einige Fotos zeigen wir Euch, nichts ist beeindruckender, als die vielen 1000 Serpentinen und Spitzkehren am eigenen Leib zu "erfahren".

Da konzentrieren wir uns im Folgenden doch lieber auf die auch für uns neuen Landschaften.









Achja, vielleicht doch noch eine witzige Geschichte:

In Kauns bei Landeck, wo wir unter anderem übernachtet haben, war abends vor unserem Gasthof der Musikantenzug angetreten. Große Erwartungen, martialische Gewehre, alles in Uniform. Und dann: der Zug ging musizierend ungefähr 50 Meter weiter bergauf. Dort, beim nächsten Gasthof, war ein Festzelt errichtet und da wurde dann erstmal ein Bier nach getaner "Arbeit" getrunken. Anschließend wieder zurück bergab zu unserem Gasthof und das ganze wiederholte sich. Ein "Übungsabend", wie wir später erfuhren :-)








Das repräsentative Pass - Wetter - Stimmungsbild

Kärnten und Lienzer Dolomiten

Bei Toblach ging es, von Cortina d'Ampezzo kommend, wieder rein nach Österreich. Ein paar Kilometer Richtung Lienz und dann rechts ab auf die Karnische Dolomitenstraße bis Kötschach-Mauthen und weiter nach Kärnten bis Hermagor. Eine ganz wunderbare Straße, vielleicht 70 bis 80 km lang, rechts die Lienzer Dolomiten, links sanftes, grünes Hügelland, wunderschöne Dörfer, teilweise wird die Straße durch enge Felsenformationen geführt. Und dazu das Beste: fast kein Autoverkehr, der große Verkehrsstrom nach Kärnten scheint sich entlang der Drau über Lienz zu bewegen.







Die Wallfahrtskirche Maria Lugo an der Karnischen Dolomitenstraße mit einem ganz wunderbaren und sehr alten Friedhof 


Die Kärnter Seen

Wie sie auch heißen: Millstätter See, Ossiacher See, Wörther See, wir haben sie alle besucht. Mitten in der Ferienzeit natürlich überall jede Menge Touristen, die Gartenwirtschaften gut besucht, die Uferpromenaden voll Leben. Aber es ist auch verständlich: Die Kombination von Bergen, Wäldern und Seen ist schon einmalig. Nicht grundlos eine der schönsten (und teuersten) Ferienregionen Österreichs.




Abenddämmerung am Wörthersee

Die grüne Steiermark

Unser Weg führte weiter: Von den Kärntner Seen ging es Richtung Klippitztörl und Wolfsberg in Richtung Steiermark.

Ein Wort noch über das Klippitztörl: Wir waren völlig überrascht, dass hier noch ein richtig hoher Pass auf uns wartete. So langsam waren wir ja in die Lavanttaler Alpen vor gedrungen, die eigentlich nicht mehr die Schroff- und Wildheit der Dolomiten und Tiroler- bzw. Vorarlberger Alpen haben. Und dann ging es doch noch einmal mit viel Freude über jede Menge Serpentinen rauf und wieder runter, bis wir schlussendlich eine wunderschöne Straße entlang der Koralpe in Richtung Lavamünd fuhren.

Es ging weiter entlang der slowenischen Grenze nach St. Oswald, Eibiswald, Gleinstätten, Deutschlandsberg bis Graz.

Die Steiermark hat ja in Österreich den Beinamen "grün". Und das völlig berechtigt. Unendliche Wiesen und Wälder, hügelige Landschaften, in Deutschland noch am ehesten mit dem südlichen Allgäu zu vergleichen. Allerdings, einen Unterschied gibt es: In der Steiermark warten drastisch verkehrsarmere Straßen.






Halbzeit der Reise - der Neufelder See

Nachdem wir südlich von Graz übernachtet hatten, ging es morgens über wunderbare Bezirksstraßen Richtung Kapfenberg, Birkfeld, durch den Naturpark Pöllauer Tal nach Friedberg und Mönichkirchen und die letzten Kilometer Richtung Wiener Neustadt zum großen Ziel- und Haltepunkt vor der Rückreise: Der Neufelder See südlich von Wien. Dort haben wir 7 Tage bei 35 Grad und blauem Himmel herrlich entspannt und den See und die Küche der Region genossen.

Nochmals zum Wetter am Neufelder See: vor unserer Ankunft und unmittelbar nach unserer Abreise war Schlechtwetter und Regen, pünktlich wie für uns bestellt dann Hochsommer :-)





Der Neufelder See bei prächtigem Sommerwetter

Wachau, Wald- und Mühlviertel

Nach sieben wunderbaren Hochsommertagen am Neufelder See brachen wir wieder auf in die Heimat Richtung Stuttgart.

Die ersten Kilometer kämpften wir uns um Wien und den Großstadtverkehr herum durch das Helenental bei Baden und Bad Vöslau, fuhren durch den östlichen Wienerwald Richtung Donau und von dort dann durch die Wachau. Da braucht man nicht viel schreiben, die wunderbaren Dörfer und Städte, wie Langenlois, Krems, Dürnstein oder Weißenkirchen sollten speziell den Weinliebhabern unter Euch bekannt sein, es ist jedenfalls ein tolles Reiseerlebnis, entlang der Donau und der Burgen links und rechts des Flusses sowie der unendlichen Weinberge zu fahren.




Wackelsteine im Waldviertel

Mohn, Mohn und nochmals Mohn

In Weißenkirchen ging es dann rechts ab über unglaublich schön gewundene und völlig einsame Straßen ins Waldviertel in Richtung des Dorfes Armschlag. Da erschrickst Du fast, wenn Dir mal ein Auto entgegen kommt.

Armschlag ist das Zentrum des Mohnanbaues in Österreich mit vielen sehenswerten Kleinausstellungen rund um das Thema Mohn und natürlich Gaststätten, in denen man praktisch jedes Essen in Kombination mit Mohn erhält. Unglaublich, was da möglich ist: zum Beispiel Braten in Mohnkruste....Ihr könnt ja mal reingucken wenn Ihr wollt:

Die folgenden Links Mohnwirt oder das Mohndorf geben jede Menge Auskunft auf ihren Homepages.

Unschlagbar jedenfalls die "gwuzzelten" (gedrehten) Mohnnudeln, die zum allergrößten Teil aus Mohn und zum kleinsten Teil aus (Kartoffel)Nudeln bestehen. Darüber jede Menge flüssige Butter gegossen, zur geschmacklichen Abrundung gemischt mit ein paar Tropfen irgendeines Likörs, ich tippe mal auf Cointreau oder ähnliches. Unschlagbar leider auch in der Kalorienanzahl :-)

Mohnfelder, Blumenwiesen, getrockneter Mohn: die Augen können sich kaum sattsehen:






Das Salzkammergut

Übernachtet haben wir an diesem Tag letztendlich südlich von Linz in einem Allerweltsgasthof, kaum der Erinnerung wert, weder gut noch schlecht.

Am nächsten Tag ging es weiter durch das Oberösterreichische und Salzburger Salzkammergut mit seinen Seen.



Von See zu See im Salzkammergut

Der Traunsee mit der wunderbaren Stadt Gmunden (das Bild zeigt das Rathaus der Stadt), dann weiter zum Attersee, von dort in die alte Kaiserstadt Bad Ischl und nach St. Wolfgang am Wolfgangsee. Gottseidank mussten wir nicht "Im weißen Rössl am Wolfgangsee...." vorsingen :-) sondern sind nach einer kurzen Stärkung weiter Richtung Mondsee und dann noch für einen kleinen Abstecher zum Hallstätter See gefahren. Dort hat uns dann erstmals der Regen für 10 Minuten erwischt.

An diesem Tag war das Wetter jedenfalls eher mäßig, gut zu sehen auf dem Bild mit dem Wolfgangsee:








Der Wolfgangsee aus Blickrichtung St. Wolfgang

Abkürzung Richtung Bayrischer Wald

Irgendwie hatten wir uns in der Zeit verschätzt. Eigentlich wollten wir noch über die Ecke Hallein, Bad Reichenhall, Traunstein, Chiemsee, Altötting bis zu unseren Freunden Konni und Bernhard nach Weiden in der Oberpfalz fahren. Leider waren wir viel zu spät dran, sodass wir kurzfristig eine Abkürzung nehmen mussten.

Also bogen wir vom Mondsee ab nördlich in Richtung Kobernauer Wald und fuhren weiter über die völlig verkehrsarme Barockstraße nach Mattighofen, Neukirchen in Richtung Burghausen, entlang der Grenze weiter nach Schärding. Dort dann ein letztes mal in Österreich übernachtet und am nächsten Morgen zurück nach Deutschland in Richtung Bayrischer Wald.





Dino mit der Frisur von 1975 :-)

Naturpark Bayrischer Wald

Wir fanden eine wunderbar kleine Straße praktisch ohne Autoverkehr über Fürstenzell, Moosham, Vilshofen (sehr gefällige Innenstadt !!), Garham, Eging hoch nach Saldenburg und von dort mitten rein in den Naturpark Bayrischer Wald, wahrscheinlich die waldreichste Gegend in Deutschland.

Dann entlang der tschechischen Grenze nach Regen und Zwiesel. Über den höchsten Berg des Bayrischen Waldes, den großen Arber, runter nach Neukirchen Hl. Blut mit seiner interessanten Wallfahrtskirche, weiter Richtung Furth, Waldmünchen, Schönsee, Eslarn nach Vohenstrauss und schlussendlich nach Weiden in der Oberpfalz.

Bei unseren Freunden genossen wir zwei Tage Entspannung pur mit einer von ihnen organisierten äußerst interessanten und professionellen Führung durch die Geschichte Weidens.



Zum Abschluss noch Regen...

Sonntag morgen.....Der letzte Urlaubstag. Und vor der Haustür dunkelste Bewölkung. Es roch nach Regen.

Also gut, wir rein in die Regenklamotten und ohne Umwege heim, entlang der B14 (leider breit + gerade) auf schnellsten Weg über Sulzbach-Rosenberg, Nürnberg, Heilsbronn, Ansbach, nach Schwäbisch Hall, Backnang, Ludwigsburg, Leonberg bei Stuttgart. Ab Höhe Ansbach / Schwäbisch Hall dann leider im massiven Dauerregen.

Naja, elender Tag zum Motorrad fahren, aber langer Rede, kurzer Sinn: schlussendlich gut zuhause angekommen, unter den Regenklamotten sogar (fast) staubtrocken, ein ungewöhnliches Ende einer ungewöhnlich schönen Reise.



Zurück in Stuttgart

Geschafft waren 3300 Kilometer. Bis auf den letzten Tag bei idealem Motorrad-Reisewetter zwischen 20 und 25 Grad, gottseidank stress- und unfallfrei.

Vielleicht auch ein Verdienst unseres Maskottchens Willi, ohne dem seit Jahren keine Motorradreise denkbar ist. Hier seht ihr ihn am Klippitztörl. Man beachte den verwunderten Blick des Rindviehs, das sich als Komparse im Hintergrund prächtig darstellte :-)




Wo ein Willi ist...

Die Übernachtungen

Zum Schluss natürlich auch noch das Kapitel unserer Übernachtungen entlang der Strecke.

Generell können wir sagen, dass wir immer freundliche Gastwirte fanden, dass wir zu vernünftigen Preisen (das heisst zwischen 20 und 30 Euro je Person und Übernachtung und Frühstück) wunderbare Zimmer bekamen. Die Gasthöfe boten reichlich leckere Nahrung (fest und flüssig), die Waage hat es uns am Ende unserer Reise bestätigt :-)






Die Top 3 der Gasthöfe

Repräsentativ drei Beispiele unserer Unterkünfte, die wir zu den "Top 3" gewählt haben, für Euch möglicherweise ein Tipp, falls ihr in der Gegend nächtigen wollt:

Der Gasthof "Goldener Adler" in Kauns im Kaunertal zwischen Landeck und Reschenpass in Tirol. Leider ohne Internetauftritt. Der Besitzer, Herr Partoll führt hier als Familienbetrieb einen unglaublich gemütlichen Gasthof, die Zimmer sind sehr sauber und ausreichend groß.

Das Garni "Reutlingen" in Colfosco/Corvara in Alta Badia, Südtirol, am Fuße des Sellajochs. Schon der Name hat uns natürlich elektrisiert. Das Ehepaar Alfreider, welches das Garni führt, sind unglaublich nette und motorradbegeisterte Wirtsleute. Beide haben früher in Reutlingen bei Stuttgart gearbeitet, daher der Name des Garni. Schräg vis-a-vis ist übrigens eine Pizzeria, die spitzenmäßige Pasta und Pizza bietet. Also alles perfekt an einem Ort :-)

Unter diesem Link könnt Ihr Euch weitere Infos einholen. Ein absolut empfehlenswerter Ort, um in Südtirol zu übernachten.

Und schließlich noch der Schönaicherhof von Frau Reinbacher in Wettmannstätten, südlich von Graz. Sehr ordentliche Zimmer und vor allem im Gasthof wunderbare steirische Küche. Die Portionen sind allerdings auch für steirische Holzfäller gedacht. Unglaublich, wie viel Fleisch auf eine Hausplatte passt :-) Auch dort haben wir unseren Aufenthalt sehr genossen. Leider auch hier kein Internetauftritt für weitere Informationen.

Noch ein Tipp, allerdings ohne praktische Erfahrung, wir haben dort "nur" Kaffee getrunken: Der Gasthof Pisl in Krumpendorf-Görtschach. Dort sah es unglaublich gemütlich aus, die Terrasse des Gasthofes mit wilden Wein überdacht, alles sehr rustikal und zum Verweilen einladend. Und das Ganze nur 5 Minuten vom Wörther See und Krumpendorf, einer der "Nobelorte" entfernt. Näheres findet Ihr unter diesem Link



Und wieder mal Friedhöfe

Und auch auf dieser Reise haben uns malerisch gelegene Friedhöfe oder Kriegerdenkmäler immer wieder zum Anhalten gebracht. Unglaublich interessant sind speziell die kleinen Friedhöfe rund um die Kirchen in den Berdörfern, die meisten Gräber mit Emailbildern der Verstorbenen auf den Grabsteinen, es ist schon eigenartig, jemand ins Gesicht zu sehen, der oft schon vor über 100 Jahren dort beerdigt wurde.

Beeindruckend auch die Soldatenfriedhöfe, der nachfolgende ist an der Grenze von Osttirol zu Südtirol, dort liegen hunderte Ungarn begraben (die meisten sind nur 20 bis 30 Jahre alt geworden), die an der Seite Österreichs im ersten Weltkrieg in der Gegend gefallen sind. Ein trauriges Kapitel unserer Reise.







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